„Frieden ist eine Haltung“

Mit einer würdevollen Feierstunde beging die Gemeinde Oberschneiding den diesjährigen Volkstrauertag. In einer Zeit, die von weltweiten Krisen, Konflikten und Unsicherheiten geprägt ist, standen Gedanken zu Orientierung, Verantwortung und Friedenssicherung im Mittelpunkt der Ansprachen.

In seiner Predigt sprach Pfarrer Dr. Peter Maier über das Gefühl, in einer „Dauerkrise“ zu leben. Die ständige Abfolge von Katastrophen und globalen Erschütterungen erzeugen Stress, Angst und das Empfinden, den Halt zu verlieren. Gerade in dieser Unsicherheit rufe Jesus dazu auf, den „genauen Blick zu wahren, zu differenzieren und zu unterscheiden“. Orientierung entstehe nicht durch das Vermeiden von Problemen, sondern durch den bewussten Umgang mit ihnen. Maier betonte, dass Menschen im Vertrauen auf die Botschaft des Evangeliums auch inmitten von Chaos nicht allein seien: „Gott ist da und steht uns bei!“ Feierlich umrahmt wurde der Gedenkgottesdienst durch den Kirchenchor Oberschneiding.

Bürgermeister Seifert warnte vor einer zunehmenden Destabilisierung, die heute oftmals von politischen Bewegungen ausgehe. Es sei leicht, sich Unzufriedenheitsströmungen anzuschließen und so zu tun, als gebe es einfache Lösungen oder als seien stets nur „die anderen“ Schuld.

In einer Informationsgesellschaft gelte: „Wer schlecht oder falsch informiert ist, wird am Ende zum Opfer. Wer gut informiert ist, lässt sich nicht durch Parolen, Falschinformationen und Stimmungen verleiten.“ In seiner letzten Rede als Bürgermeister der Gemeinde Oberschneiding am Volkstrauertag mahnte er: „Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft sind die Voraussetzung für Frieden und Freiheit.“ Sein Dank galt allen Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihrem persönlichen Verhalten und ihrem Engagement den Streitkräften die Sicherheit geben, „dass das Vaterland es wert ist, es im Notfall unter Einsatz von Leben und Gesundheit zu verteidigen.“

Oberfeldarzt Dr. Daniel Forster vom Lehr und Ausbildungszentrum Einsatz Feldkirchen betonte in seiner Rede, wie fragil der Frieden geworden sei. Sicherheit sei nichts Selbstverständliches, sondern müsse aktiv geschützt werden. In Politik und Medien sei in den vergangenen Monaten immer häufiger von „Kriegstüchtigkeit“ die Rede. Niemand – weder Soldaten noch Zivilisten – wünsche sich Krieg. Doch Frieden brauche Schutz, und Schutz brauche Menschen, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. Und wenn der Friede bedroht werde, müssen die Menschen „fähig“ sein, den Frieden zu bewahren.

Forster verwies auf den lateinischen Leitspruch des Lehr- und Ausbildungszentrums Einsatz: „Si vis pacem, para bellum“„Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor.“ Das sei keine Frage von Kampfeslust – sondern von Pflichtbewusstsein, von Verantwortung und von Liebe zum Leben. Frieden zu sichern sei nicht allein Aufgabe der Soldaten, sondern „ein Auftrag an uns alle“. „Frieden ist kein Zustand – Frieden ist eine Haltung“, betonte er. Die Bundeswehr heute brauche hochspezialisierte und gut ausgebildete Menschen, die ihren Dienst aus Überzeugung tun. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht alleine wird dies nicht leisten. „Frieden zu sichern ist nicht allein Sache der Soldaten, sondern ein Auftrag an uns alle!“

Am Ende dankte Bürgermeister Seifert den Zuhörern, die mit ihrer Anwesenheit am Ehrenmal die dankbare Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt sowie ihre Hochachtung gegenüber der Bundeswehr aber auch gegenüber den Sicherheitskräften von Bund und Land und den zivilen Rettungsdiensten zum Ausdruck brachten. Als Zeichen der Wertschätzung und der Verbundenheit legte er sodann mit Oberfeldarzt Dr. Daniel Forstner im Namen der Gemeinde Oberschneiding ein Kranzgebinde am Ehrenmal nieder. Mit dem Lied vom guten Kameraden, gespielt vom Spielmannszug Oberschneiding, drei Böllerschüssen aus der Salutkanone der KSK Oberschneiding und der gemeinsam gesungenen Bayernhymne und der Nationalhymne endete der feierliche Gedenkakt.

Text und Bild: Claudia Anzinger

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