Große Freude herrscht derzeit im Antoniusheim in Münchshöfen: Nach rund acht Jahren Planung und Bauzeit ist der lang erwartete Neubau fertiggestellt. In der vergangenen Woche sind Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende in die neuen Räumlichkeiten eingezogen. Damit beginnt für das Haus und seine Gemeinschaft ein neues Kapitel. Mit den neuen Pflegeplätzen wird die Versorgung in der Region deutlich gestärkt.
Am Morgen des Einzugs herrschte geschäftiges Treiben auf den Fluren. Rollstühle und Rollatoren waren unterwegs, der Aufzug pendelte unermüdlich zwischen den Stockwerken, während Pflegekräfte und Bewohner miteinander fröhlich plauderten und die letzten Schritte organisierten. Trotz des großen Trubels war die Stimmung spürbar gelöst – die Vorfreude auf die neuen Räume war deutlich zu spüren.
Auch das Personal zeigte sich erleichtert. „Eine stressige Zeit liegt hinter uns“, berichtete Pflegedienstleiterin Beate Brandl. Die Organisation des Umzugs sei logistisch äußerst anspruchsvoll gewesen. „Aber jetzt genießen wir es umso mehr, dass alles geschafft ist. Wir sind endlich angekommen!“
60 Pflegeplätze im Neubau
Im Neubau sind insgesamt 60 Pflegeplätze untergebracht. Darunter befinden sich 16 Doppelzimmer und 44 Einzelzimmer. Die Bewohner wohnen jetzt in vier Wohnpflegegruppen, die sich auf zwei Geschosse verteilen. Die neuen Wohngruppen heißen nun Peter, Paul, Johanna und Luise.
Die Bewohnerinnen und Bewohner der bisherigen Wohnpflege sind in ihre neuen vier Wände eingezogen und meistern gemeinsam mit dem Pflegeteam die Eingewöhnungsphase in ihrem neuen Domizil. Das Antoniusheim verfügt nun über eine „beschützte“ Demenz-Wohngruppe. Das Konzept bietet vorallem Sicherheit für Menschen mit Hin- und Weglauftendenz. „Eine derartige Wohngruppe ist einzigartig in Stadt und im Landkreis!“, so Einrichtungsleiter Patrick Uhl. Die Räume bieten viel Tageslicht ohne Blendwirkung und ermöglichen eine möglichst einfache Orientierung im Alltag.
Jede Wohngruppe verfügt über einen rund 80 Quadratmeter großen lichtdurchfluteten Koch-Wohn-Essbereich als gemeinsamen Mittelpunkt. Von den Zimmern aus hat man einen Blick in den Bayerischen Wald oder einen Blick direkt in den Wald mit dem Gefühl von Ruhe und Geborgenheit.
Große organisatorische Leistung
Eine Schlüsselrolle beim Umzug spielte Pflegedienstleiterin Beate Brandl, die gemeinsam mit Hausmeister Robert Hartl die Detailplanung koordinierte. Auf vielen Türen hängen derzeit noch Ausdrucke zur Orientierung für Personal und Bewohner, bis sich alle an die neuen Wege gewöhnt haben. „Die beiden haben die größte Last beim Umzug getragen“, lobte Uhl.
Brandl räumte selbst ein, dass sie dem Umzug zunächst mit gemischten Gefühlen begegnete: „Ich hatte Sorge, dass die Seele des Hauses nicht mitgenommen werden kann. Im alten Gebäude kannte ich jedes Geräusch und erkannte jeden Bewohner an seinen Schritten im Gang. Alles war vertraut. Aber schön langsam kommt die Routine!“ Noch läuft nicht alles reibungslos. „Trotz detaillierter Organisation tauchten in den ersten Tagen immer wieder Kleinigkeiten auf – und das Telefon steht kaum still“, berichtet Brandl. Mal funktioniert ein Fernsehanschluss nicht, neue Telefonnummern müssen eingerichtet werden oder Bewohner finden noch nicht sofort den richtigen Weg. „Aber wir kümmern uns umgehend darum.“
Selbst scheinbar Unmögliches werde möglich gemacht. So konnte auch schnell eine Lösung gefunden werden, als eine Bewohnerin mit ihrem Zimmer zunächst nicht zufrieden war – zumindest solange noch freie Plätze zur Verfügung stehen.
Manchmal entstehen dabei aber auch heitere Momente. Die neue Aufzugsanlage ist mit einem sprachgesteuerten System ausgestattet. Als der Aufzug das Stockwerk „Erdgeschoss“ verkündete, antwortete ein Bewohner trocken: „Passt scho, danke!“
Neue Wege – und ein bisschen Unsicherheit
Für viele Bewohner bedeutet der Umzug nicht nur mehr Komfort, sondern auch Veränderung. Das alte Haus war über Jahre hinweg zu einem vertrauten Ort geworden – mit bekannten Wegen, gewohnten Zimmern, Erinnerungen und vertrauten Nachbarn. Für viele ist es daher eine Mischung aus Abschied und Aufbruch: Dankbarkeit für die Zeit im alten Haus, aber zugleich eine vorsichtige Vorfreude auf das neue Umfeld. „Schöne Zimmer haben wir jetzt“, sagt Bewohnerin Maria Schmerbeck. Und mit einem Lächeln fragt sie Herrn Uhl: „Und wie komme ich jetzt zur Kapelle im Altbau?“
Einen symbolischen Moment gab es zum Beginn des Umzugs: Zwei Menschen, die seit über 30 Jahren Teil des Antoniusheims sind, durften gemeinsam den Neubau eröffnen – Bewohnerin Ursula Irlbacher, die bereits seit Mai 1987 im Antoniusheim lebt, und Pflegedienstleiterin Beate Brandl, die ebenfalls seit mehr als drei Jahrzehnten in der Einrichtung beschäftigt ist.
Die vergangenen zwei Wochen seien intensiv gewesen: viel Arbeit, viel Organisation und viel Einsatz. „Aber auch viele schöne Momente, gemeinsames Lachen und ein starkes Team“, fügte Brandl hinzu.
Mit dem Einzug beginnt nun ein neues Kapitel: das erste Mal im neuen Zuhause – ein Ort für Gemeinschaft, Unterstützung und viele neue Erinnerungen. Für alle Beteiligten steht fest: Die ganze Arbeit hat sich gelohnt!
Unterstützung aus der Gemeinde
Zur Fertigstellung des Neubaus überbrachte auch Bürgermeister Ewald Seifert die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte als Geschenk das Wappen der Gemeinde Oberschneiding. Der Neubau sei ein klares Bekenntnis des Trägers, der Katholischen Jugendfürsorge (KJF), zum Standort Oberschneiding und mit den neuen Tagespflegeplätzen eine äußerst wertvolle Ergänzung des Betreuungsangebots, betonte Seifert. Einrichtungsleiter Patrick Uhl dankte dem Rathauschef für die kontinuierliche Unterstützung – nicht nur während der Bauphase. Seifert sei stets ein wichtiger und verlässlicher Partner und habe immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen. „Und wenn es etwas zu klären gibt, wird meist schnell eine Lösung gefunden“, sagte Uhl. Als Beispiele nannte er unter anderem den Anschluss an die Kläranlage sowie die Schaffung der notwendigen Ausgleichsflächen für den Neubau.
Blick in die Zukunft
Mit dem Neubau erweitert das Antoniusheim auch sein Angebot. Ab April soll zusätzlich eine Tagespflege mit vier Plätzen eingerichtet werden. „Auch Kurzzeit- und Verhinderungspflege können künftig stärker genutzt werden“, so Uhl.
Gleichzeitig gibt es rund um das neue Gebäude noch einiges zu tun. Der Außenbereich muss noch vollständig gestaltet und bepflanzt werden. Dafür sind in den kommenden Monaten weitere Arbeiten geplant. Positiv ist bereits jetzt die neue Zufahrtsmöglichkeit für Rettungsdienste, die künftig deutlich mehr Platz bietet. Auch die Feuerwehr Oberschneiding war bereits vor Ort, um sich mit den neuen Räumlichkeiten vertraut zu machen und im Ernstfall schnell helfen zu können.
Mit dem Neubau werden aber gleichzeitig auch weitere Stellen geschaffen. Das Antoniusheim sucht dringend weitere Mitarbeitende – unter anderem Pflegefachkräfte, eine Hauswirtschaftsleitung, einen Koch sowie Reinigungskräfte. Das Antoniusheim verstehe sich dabei bewusst als Arbeitgeber vor Ort mit familiärer Atmosphäre und starkem Teamgeist, wie Uhl versicherte.

Alles muss bewegt werden und alle helfen mit!

Auch die Feuerwehr Oberschneiding war bereits vor Ort, um sich mit den neuen Räumlichkeiten vertraut zu machen und im Ernstfall schnell helfen zu können.

Die Bewohner Maria Schmerbeck und Maria Dreyer sind glücklich über ihr neues Zuhause! Von rechts: Maria Schmerbeck, Patrick Uhl, Maria Dreyer

Die großen lichtdurchfluteten Aufenthaltsräume bieten viel Platz und einen traumhaften Ausblick in die Natur.

Auch die neue Zufahrtsmöglichkeit bietet viel Platz für Rettungsdienste.



Zwei Urgesteine – Pflegedienstleitung Beate Brandl (links) und Bewohnerin Ursula Irlbacher – eröffnen symbolischen den Neubau und schneiden das rote Band gemeinsam durch!

Mitarbeiter bereiten alles liebevoll vor!

Bürgermeister Ewald Seifert (links) überreichte zum Einzug das Wappen von Oberschneiding und gratulierte Patrick Uhl (Mitte) sowie der KJF (katholische Jugendfürsorge) zum gelungenen Neubau. Mit im Bild der Bewohnervertreter Franz-Xaver Fichtl (rechts).