Am Vorabend des Volkstrauertages gedachte die Pfarrei Reißing der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege, aber auch der Kriegs.-und Gewaltopfer dieser Tage. Im Anschluss an den Gedenkgottesdienst, zelebriert von Pfarrer Dr. Peter Maier fand Gebete und Ansprachen am Ehrenmal statt.
Es war nicht nur ein militärischer Krieg, sondern auch ein moralischer vor 80 Jahren. Ja wir leben hier bei uns nun seit 80 Jahren in Frieden. Ja wer hätte das gedacht? Aber seit 2022 ist das auch bei uns in Europa nicht mehr selbstverständlich. Pfarrer Dr.Peter Maier am Anfang des Gedenkgottesdienstes an die Gottesdienstbesucher.
Nach der Messfeier nahmen Bürgermeister, Ehrengäste, der KuRV Reißing, die örtlichen Vereine sowie Pfarrgemeinde Aufstellung am Ehrenmal. Hier gedachte Pfarrer Peter Maier zunächst der vielen Opfer von Krieg und Gewalt bis in die heutige Zeit. An die unzähligen Gefallenen, Vermissten, an die Frauen die ihren Mann und an die vielen Kinder die ihren geliebten Vater verloren haben. Gemeinsam betete man dann für die vielen Toten und um den Erhalt des Friedens.
Wir haben uns heute in guter und fester Tradition wieder am Kriegerdenkmal versammelt, um in Trauer und Dankbarkeit der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege zu gedenken. Sie gaben ihr Leben für Heimat und Vaterland. Ihr Andenken zu ehren ist unsere Pflicht. Ihr Opfer legt uns aber auch nahe, dankbar zu sein, dankbar für ein Leben in Freiheit und – noch – in Frieden, so Bürgermeister Ewald Seifert am Anfang seiner Ansprache.
Wir gedenken der Gefallenen, der Vermissten und der zivilen Kriegsopfer. Es sind 65 Millionen Menschen. Wir alle hoffen, dass es nie wieder so weit kommt. Lassen Sie es uns nicht nur alle hoffen, lassen Sie uns auch alle etwas dafür tun! Es schadet uns nicht, immer wieder gründlich darüber nachzudenken, was die Grundlagen der meisten Feindseligkeiten auf dieser Welt sind, und es schadet uns auch nicht, bei uns selbst mit dem Nachdenken anzufangen. Nachdenken sollten wir auch darüber, wie die Bedrohungslage, die wir aktuell haben, ihr Gesicht verändert hat. Wir werden dabei feststellen, dass vieles neu ist, aber bei weitem nicht alles. Noch zu Zeiten des Warschauer Pakts gab es dort Geheimdiensteinheiten, die den Auftrag hatten, Deutschland zu destabilisieren.
Ehrliches Engagement und Verantwortung
Destabilisierung erfolgt heute in großem Maße über Parteien. Wir erleben das inzwischen täglich, aber viele von uns wollen es immer noch nicht wahrhaben. Warum nicht? Weil es einfacher ist, sich einer Unzufriedenheitsbewegung anzuschließen und so zu tun, als gebe es einfache Lösungen und als wären nur allein die anderen schuld. Wer in Zeiten einer Informationsgesellschaft schlecht oder gar falsch informiert ist, ist am Ende das Opfer! Die Demokratie verlangt von den Gewählten gutes Regierungshandeln und vom Volk als Souverän regelmäßiges Interesse und bei Bedarf angebrachte, vernünftige Korrekturen. Wer gut informiert ist, der lässt sich nicht leicht durch Parolen, Falschinformationen und Stimmungen verleiten. Ich sehe es als unsere Verpflichtung, unseren Kindern ein wohlgeordnetes politisches Erbe zu übergeben. Die Politik eines Landes kann aber auf Dauer nicht besser sein als der Charakter, die demokratische Leistungsbereitschaft seiner Bürger. Ich bitte Sie deshalb in meiner letzten Volkstrauertagsrede als Ihr Bürgermeister noch einmal sehr herzlich: Lassen Sie uns bitte dafür sorgen, dass unser Land nicht irgendwann wieder einen bitteren Preis dafür bezahlen muss, dass eine große Mehrheit zu wenig Interesse gezeigt und zu wenig Verantwortung übernommen hat. Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft sind die Voraussetzungen für Frieden und Freiheit. Und der Preis der Freiheit, nämlich Interesse am täglichen Geschehen, ehrliches Engagement und Verantwortung für die Gemeinschaft ist nicht einmal hoch. Aber leider wird dieser geringe Preis noch immer von vielen nicht bezahlt.
Ich danke deshalb an dieser Stelle allen, die in ihrem Leben, ihrem Umfeld und ihrer persönlichen Verantwortung bereit sind, gut informiert, wachsam und damit stark zu sein. Stark und wichtig für unsere Gesellschaft und unser Land. Und ich danke allen, die mit ihrem persönlichen Verhalten und ihrem Engagement für unsere Gesellschaft unseren Streitkräften die Sicherheit geben, dass das liebe Vaterland es wert ist, es im Notfall unter Einsatz von Leben und Gesundheit zu verteidigen. Für diese Bereitschaft danke ich den Angehörigen der Deutschen Bundeswehr und ihrer Spezialeinheiten, ebenso den Sicherheitskräften von Bund und Land und auch den zivilen Rettungsdiensten.
Oberstleutnant Rainer Grießbaum sprach im Namen der Patenkompanie Lehr- und Ausbildungszentrum Einsatz (LAZE) und drückte dabei seinen Respekt vor den Millionen Opfern von Krieg und Gewalt aus.
Er sagte, Krieg, Vertreibung, Unterdrückung, Flucht, Bomben, zerfetzte Körper, Leid, Schmerzen und der Tod sind die schrecklichen Zeichen, die wir als in Europa nicht mehr existent wähnten. Aber die Realität mahnt uns auch dieses Jahr den unzähligen Toten der Weltkriege zu gedenken, an ihr persönliches Opfer und Schicksal zu erinnern. Tagtäglich werden wir Zeuge wie Krieg, Gewalt, Vertreibung auch heute 80 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges in Europa noch auf der Tagesordnung stehen. Sei es in der Ukraine, wie auch im Gaza Streifen. Für das persönliche Machtstreben, Verschieben von Grenzen, tiefverwurzeltem Hass, das Wiederaufleben von vergangenen Einflusssphären, vorgeschobenen und unhaltbaren Argumenten und Rechtfertigungen wird Krieg geführt. Haben die Mächtigen dieser Welt nichts gelernt, ist der Frieden nichts wert?
Wehrhaft und wachsam sein
Nicht nur das Leid der Soldaten und Soldatinnen berührt und mahnt uns, auch das Leid der zivilen Opfer in den beiden Weltkriegen, die Ziel von sinnlosen Angriffen sind, deren Häuser zerstört werden, darf nicht vergessen werden. Was muss noch passieren, damit die wir vernünftig werden. Wir haben selbst in Deutschland gesehen, wozu Menschen mit einer verbohrten Ideologie in der Lage sind. Dennoch gilt es gerade auf Grund des Ukraine Krieges wehrhaft und wachsam zu sein, damit sich ein Krieg wie 1939 – 1945 in Europa nicht wiederholt. Die Toten mahnen uns eindringlicher denn je.
Wir gedenken aber auch unseren Kameraden und Kameradinnen, die in den 70 Jahren seit Gründung der Bundeswehr, im Namen der Bundesrepublik in den Einsätzen ihr Leben gelassen haben, um Recht und Freiheit zu schützen und zu verteidigen. Ebenso unseren alliierten Freunden, die ihr Leben bei gemeinsamen Einsätzen verloren haben. Möge Ihr Schicksal nicht vergebens gewesen sein und uns Lebende stets mahnen, Frieden ist ein kostbares aber fragiles Gut. Auch denen, die durch Krieg ihre Heimat verloren, vertrieben wurden, auf der Flucht zu Tode kamen gilt ebenfalls unser Erinnern. Wir verneigen uns im stillen Gedenken vor den Toten der Kriege als Mahnung an die Lebenden.
Als Zeichen der Verbundenheit und im Namen der Gemeinde Oberschneiding legte der Bürgermeister am Ehrenmal einen Kranz nieder. Während der Gäubodenspielmannszug Oberschneiding das Lied vom „Guten Kameraden“ intonierte und sich die Fahnen senkten.
Text und Bild: Gerhard Schindlmeier