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Jahrtag mit Generalversammlung

Mitglieder geehrt

Mit einem Kirchenzug, angeführt durch den Gäubodenspielmannszug  Oberschneiding, vom Gasthaus Gierl zur Pfarrkirche Reißing begann der Heldengedenktag der Krieger und Reservisten Reißing. In der Pfarrkirche fand ein Gottesdienst, zelebriert von Pfarrer Dr. Peter Maier und Diakon Johann Hofmann, für die Gefallenen, Vermissten der beiden Weltkriege und den verstorbenen Vereinsmitgliedern statt, dem sich ein kurzer Festakt am Heldendenkmal mit Ansprachen an schloss. Nach der Gedenkfeier hielt der KuRV seinen Jahrtag mit Jahreshauptversammlung im Gasthaus Gierl ab.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Mitglieder des Krieger-und Reservistenverein, Ehrengäste und Kirchenbesucher mit Pfarrer Dr. Peter Maier und Diakon Johann Hofmann am Ehrenmal, um die Gefallenen und Vermissten zu ehren.  Der Vorsitzende Gerhard Schindlmeier sagt zu Beginn seiner Ansprache, ich stehe nun bereits zum 16ten mal vor Ihnen, bzw. hier am Ehrenmal in Reißing. 16 mal habe ich mir eine Ansprache ausdenken müssen was ich an Euch richten möchte.In dieser Woche als ich wiederum vor dem PC gesessen bin kam mir der Gedanke: Macht das Gedenken an den 1. und 2. Weltkrieg hier am Ehrenmal überhaupt noch einen Sinn? Ist das überhaupt noch zeitgemäß? Wer kann sich überhaupt noch erinnern? Unter uns ist kein Kriegsteilnehmer mehr! Weiß die junge Generation überhaupt, warum wir alle Jahre hier stehen?
„Macht dieser Jahrtag und das Gedenken, uns Erinnern an die Gefallenen und Vermissten überhaupt noch einen Sinn“?
Meine Antwort war und ist ein klares „JA“ !
Darum haben wir uns wieder am Ehrenmal versammelt, weil wir die unzähligen Frauen, Männer und Kinder nicht vergessen wollen, die überall auf
der Welt Opfer kriegerischen und rassistischen Wahns geworden sind. Wir bekunden Respekt vor den Toten – und unsere Bereitschaft, darüber nachzudenken, was wir heute gegen Krieg und Gewalt tun können und sollten. Wir erinnern an die dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte: an zwei Weltkriege und die Nazi-Diktatur. Wir erinnern an immense Verluste, an die Leiden unzähliger Menschen. Wir erinnern uns an zahlreiche Menschen, auch aus unserer näheren Heimat, die gefallen sind, durch Bomben umkamen, von den Nazis vertrieben oder ermordet wurden.
Vor nunmehr über 100 Jahren, am 11. November 1918, endete ein vier lange Jahre währender Krieg, in dem Menschen in Materialschlachten verheizt wurden. Dieser Krieg markierte eine neue, eine fürchterliche Dimension von Kriegführung. Er forderte etwa achteinhalb Millionen Tote, die nicht vergessen werden sollten.
„Vergesst die Toten nicht!“

Erinnern ist oft schmerzlich. Es macht fassungslos, an all die Millionen junger Menschen zu denken, die durch Krieg und Gewalt viel zu früh gestorben sind.
Als die Nazis vor 86 Jahren an die Macht gelangten, errichteten sie sogleich ein Unrechtsregime: Sie
verfolgten und ermordeten Menschen allein deshalb, weil sie nicht in ihr rassistisches Bild passten; sie entfesselten den Zweiten Weltkrieg, der über 55 Millionen Tote forderte und an dessen Ende halb Europa in Trümmern lag.
Diese Mahnung bezieht sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Opfer von Krieg und Gewalt in unserer Zeit.
 Auch unsere Gegenwart ist von Gewalt, von Kämpfen, von Verletzungen der Menschenrechte geprägt. Das wissen wir durchaus, aber im Alltag blenden wir es meist aus.
Am Jahrtag halten wir inne, um auf das zu hören, was uns die Menschen sagen könnten, deren Lebensfaden durch Krieg und Gewalt jäh abgerissen oder denen unfassbares Leid angetan wurde.
Der Zweite Weltkrieg, der Untergang des NS-Regimes, liegen bereits 74 Jahre zurück. Unser Land hat große Anstrengungen unternommen, die Vergangenheit aufzuarbeiten und zu einer Versöhnung beizutragen. Und wir leben heute in Deutschland in einer ganz anderen Welt. Wir haben eine stabile Demokratie, wir schätzen die Freiheit und die Rechte, die wir gewonnen haben.
Doch die Auswirkungen von Krieg und NS-Diktatur reichen bis heute. Die Bilder des Grauens haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.
Sich der Geschichte zu stellen, sensibilisiert dafür, auf bedrohliche Entwicklungen zu achten und das, was wir errungen haben, Frieden und Freiheit, hoch zu achten.
Das Gedenken hier an unserem alljährlichen Jahrtag macht deshalb Sinn. Denn er bezieht sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern gleichermaßen auf Gegenwart und Zukunft.
Krieg, Gewalt, Rassismus und Fanatismus kennzeichnen auch unsere Zeit. Rechte Ideologie, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit sind – leider – nicht mit dem Dritten Reich untergegangen.
Die Kriege unserer Zeit hingegen finden meist weit entfernt von uns statt. Aber Deutschland ist involviert und wir beklagen über viele Tote bei den Auslandseinsätzen.
Das heißt: In vielen Familien in Deutschland ist Krieg wieder ganz nah gerückt. Mitten unter uns leben ehemalige Soldaten, die verletzt oder traumatisiert zurückgekehrt sind; mitten unter uns leben Angehörige, die einen Sohn, einen Vater, einen Ehemann verloren haben. Mitten unter uns leben Menschen, die vor Krieg oder Bürgerkrieg in ihrer Heimat nach Deutschland geflohen sind und vorher Schlimmes erleiden mussten. Und wir müssen uns fragen, ob wir im Vorfeld immer genug tun, um Gewaltausbrüche zu verhindern bzw. um Konflikte rechtzeitig einzudämmen.
Es sieht manchmal so aus, als sei Krieg ganz normal – aber auch Annäherung und Verständigung sind machbar und normal. Die Entwicklung in Europa nach 1945 hat gezeigt, dass es die „Versöhnung über den Gräbern“ gibt.
Die EU ist nach den Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Friedensprojekt gestartet. Sie hat Stabilität, Demokratie und Wohlstand gebracht.
Umso bedenklicher ist es, dass in Krisenzeiten wieder nationale Töne und Ressentiments um sich greifen.
1945 war ein friedlich geeintes Europa eine Vision, eine Utopie. Doch sie wurde in die Tat umgesetzt. Und wir sind es unserer Vergangenheit wie unserer Zukunft schuldig, an diesem Projekt
festzuhalten. Wir mögen es heute oft für selbstverständlich halten, in Frieden und Freiheit zu leben. Aber Frieden und Freiheit sind
empfindliche Güter. Deshalb haben wir stets und überall achtsam zu sein. Solange Menschen denken, dass sich politische, wirtschaftliche, ethnische oder religiöse Konflikte mit Krieg, Gewalt oder Terror lösen ließen, solange müssen wir deutlich machen, dass wir Krieg und Gewalt nicht hinnehmen, dass wir vielmehr alles daransetzen, Frieden, Freiheit und Demokratie zu bewahren und zu
schützen. Und deshalb hat der Jahrtag des KuRV Reißing, die Aufforderung „Vergesst die Toten nicht!“ nach wie vor einen Sinn.
Im Anschluss legte Vorsitzender Gerhard Schindlmeier zu Ehren der Kriegsopfer aus der Pfarrei Reißing eine Blumenschale nieder, wobei die Blaskapelle den „Guten Kameraden“ spielte. Im Hintergrund donnerten drei Böllerschüsse aus der Vereinskanone durch die Luft.
Mitglieder geehrt
Nach der Heldenehrung formierte sich ein festlicher Zug durchs Dorf, zum Gasthaus Gierl, wo die Jahreshauptversammlung seinen Anfang nahm. Vorsitzender Schindlmeier dankte allen Anwesenden für ihre Teilnahme und sagte dass der Verein eine Stärke von aktuell 153 Mitgliedern hat. Schriftführer Martin Steinbeißer informierte die Versammlung über die Aktivitäten des Vereins im abgelaufenen Vereinsjahr und hob besonders die Teilnahme der Krieger und Reservisten an weltlichen und kirchlichen Festen sowohl innerhalb der Gemeinde als auch außerhalb, hervor. Aus dem Kassebericht, vorgetragen von Josef Kiermeier zu entnehmen, dass der Verein dank vieler Spenden, Maibaumversteigerung und aus der Altpapiersammlung über ein solides Finanzpolster verfügt.

Vorsitzender Gerhard Schindlmeier dankte für 50-jährige Vereinstreue Hermann Ostermeier. Für 40-jährige Mitgliedschaft Manfred Gierl und Hermann Schöfer. Für 25-jährige Vereinszugehörigkeit Ulrich Reichl. Die Geehrten erhielten jeweils eine Urkunde und eine Anstecknadel.
Dietmar Voigt, Vorsitzender des Kreisverbandes, überbrachte die Grüße des Kreisverbandes Straubing-Bogen. und bedankte sich für für die Teilnahme der Reißinger Krieger und Reservisten beim Jahrtag und auch bei auswärtigen Veranstaltungen wie zum Beispiel die Teilnahme an der alljährlich stattfindenden Friedenswalfahrt mit Kreiskriegertreffen. Anschließend überreichte Voigt die Ehrennadel in Silber des Kreisverbandes für besondere Verdienste im Verein an Josef Gierl, Martin Steinbeißer, Reinfried Hafner und Xaver Strähuber. Die Ehrennadel in Gold erhielten Oswald Alb und Ludwig Schmerbeck.
Bürgermeister Ewald Seifert der die Grüße der Gemeinde Oberschneiding überbrachte wünschte dem Verein weiterhin so einen guten Zusammenhalt und der Vorstandschaft mit ihrem Vorsitzenden Gerhard Schindlmeier weiter eine gute und glückliche Hand. Zur Freude des Vereins überbrachte das Gemeindeoberhaut die Nachricht, dass ab dem Jahr 2018 der Verein für die Altkleider-und Altpapiersammlungen nun 60 Prozent des Erlöses von der Gemeinde bekommen. Zum Schluss wies Schindlmeier noch auf die anstehenden Veranstaltungen und Teilnahmen an Festen anderer Vereine hin.

2019 04 11 Kriegerjahrtag Reissing 1
Vorsitzender Gerhard Schindlmeier bei seiner Ansprache am Ehrenmal.

2019 04 11 Kriegerjahrtag Reissing 2

Die geehrten Mitglieder mit Bürgermeister Ewald Seifert (li.), Vorsitzender des Kreisverbandes Straubing-Bogen Dietmar Voigt (2.vo.re.) und Vorsitzender der Krieger-und Reservisten Reißing Gerhard Schindlmeier(re.)

Text und Foto; Gerhard Schindlmeier